Gedanken zum Thema zu Guttenberg
von: Michael Schwall | 01.03.2011 |
auch wenn ich mir vorgenommen hatte, mich hier niemals politisch zu äussern. In Anbetracht des heutigen Rücktritts von Karl Theodor zu Guttenberg mache ich mal eine Ausnahme von dieser Regel.
Ein paar kleine Gedanken kann ich mir dann doch nicht verkneifen.
Ich gebe zu, dass ich davon ausgehe, dass es sich bei den „Vorkommnissen“ um seine Dissertation nicht um einen Einzelfall handelt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Menschen die jungen Jahren politisch gefordert und erfolgreich sind, nicht einen Stab haben, der solche „Kleinigkeiten“ für Sie erledigt. Ich habe immer befürchtet, dass ein solches Vorgehen einfach nur normal ist. Im Gegenteil wird Herr zu Guttenberg im Nachhinein entsetzt sein, welche Machwerk dort in einem Namen produziert wurde. Tja .... wohl Pech gehabt!
Das man in einem solchen Fall im Besondern die politische und persönliche Verantwortung tragen muss steht dann wohl ausser Frage. Trotzdem schade. Aber wie meine Oma immer sagte „nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist!“
Was mich allerdings in der Rückschau wirklich ärgert, ist dass ein Bundesaussenminister Fischer, Straftatbestände der Körperverletzung gegen Polizisten überstanden hat. Auch das ging so garnicht. Dass ein Herr Gisy, welcher denn wohl doch dem ein oder anderen Mitbürger „Wohnen auf Staatskosten“ beschert hat, einer der Ersten ist, welcher den Stab über Herrn zu Guttenberg bricht.
Dass ein Willy Brand wegen einem Günter Guillaume zurücktreten musste. Helmut Kohl hätte das einfach ausgesessen. Denn da hatte Egon Bahr recht. Dafür muss ein deutscher Bundeskanzler nicht zurücktreten.
Die grosse Beliebtheit von zu Guttenberg in der deutschen Bevölkerung kann ich nachvollziehen. Es ist einfach eine grosse Sehnsucht nach Köpfen. In der Politik wie im Sport und in der Wirtschaft. Nicht ohne Grund erklärte sich die fast abgöttische Stilisierung von Loki und Helmut Schmidt. Fast zum neuen Kaiserpaar.
In meiner Jugend gab es einfach die politischen Köpfe, an denen man sich reiben konnte. Es gab einen Herbert Wehner, einen Franz Josef Strauss und nicht zuletzt auch Helmut Kohl. Heute haben wir einen grossen Einheitsbrei. Die Sehnsucht scheint zu bleiben, da passte Herr zu Guttenberg perfekt und ich bin mir sicher, dass er wieder kommen wird. Ich erinnere nur an Strauss und die Spiegel Affäre in 1962.
Es wäre einfach schön wenn, in unserem Land mit gleichen Massstäben gemessen würde, die Verhältnismässigkeit gewahrt bliebe und nicht mit aller Gewalt parteipolitisches Kalkül im Wahlkampf über alles Andere gestellt würde.
Siehe James Dean: „Only the good die young“ ... aber auch die andere Wahrheit stimmt: „wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“
... und vielleicht sollten auch noch die anderen promovierten Amtsträger kritisch überprüfen, ob ihre Dissertation einer Google-Überprüfung Stand hält.